Wie lerne ich schnell das Zehnfingersystem? Erst sicher, dann schnell

Unsere Empfehlung, wenn du das Zehnfingersystem zügig lernen willst: Beginne mit der Grundstellung, nimm immer nur eine Fingergruppe dazu, schau auf den Text statt auf die Tasten und stelle Genauigkeit vor Tempo. Übe lieber täglich kurz als selten lang. Wie viele Wochen das dauert, belegen die Quellen, die wir gelesen haben, nicht. Ein strukturierter Kurs gibt dir dabei eine feste Reihenfolge, eine Rückmeldung nach jeder Übung und einen klaren Punkt zum Aufhören.
Kurz gesagt: Zeigefinger auf f und j, dann eine Fingergruppe nach der anderen, Blick auf den Bildschirm, erst sauber, dann schnell. Ein Kurs macht dich laut einer großen Auswertung von Tippdaten nicht automatisch viel schneller. Er gibt dir aber eine feste Reihenfolge, in der jeder Finger seine Tasten einzeln übt. Dass dir das die feste Fingerzuordnung sichert, die eine Studie bei schnellen Schreibenden fand, vermuten wir; belegt ist es nicht.
Was heißt „schnell lernen“ beim Zehnfingersystem?
Beim Zehnfingersystem hat jede Taste einen festen Finger, und die Augen bleiben auf dem Text. Der Leitfaden Tastaturschreiben des Kantons Schwyz von 2024 nennt das Zehnfingersystem die effizienteste Eingabemöglichkeit für Texte mit der Tastatur. Das ist die Einschätzung einer Schweizer Schulbehörde, keine Messung.
Eine Studie der Aalto-Universität mit 30 Erwachsenen fand drei Merkmale schneller Schreibender: Jeder Buchstabe kommt immer vom selben Finger, der nächste Anschlag wird schon vorbereitet, und die Hände bewegen sich wenig. Das Team stellte zugleich fest, dass auch Selbstgelernte ein vergleichbares Tempo erreichen können, selbst mit weniger Fingern. Schnell lernen heißt deshalb nicht, möglichst bald hohe Werte zu tippen. Es heißt, von der ersten Übung an feste Griffe aufzubauen, die du später nicht mehr umlernen musst.
Womit fängt man beim Zehnfingerschreiben an?
Mit der Grundstellung. Auf der deutschen QWERTZ-Tastatur liegen die Finger der linken Hand auf a, s, d und f, die der rechten Hand auf j, k, l und ö; die Daumen ruhen auf der Leertaste. Die Tasten f und j tragen eine kleine fühlbare Markierung, an der du die Grundstellung ohne Hinsehen findest.
Danach kommt eine Fingergruppe nach der anderen dazu. So ist zum Beispiel der Abschnitt „Grundtasten“ im deutschen Kurs von Meta Typing Club aufgebaut, jede neue Gruppe mit Einführung, Tasten, Tasten mit Leertaste und Wiederholung:
| Lektionen | Neue Tasten | Finger |
|---|---|---|
| 1 bis 4 | f und j (Lektion 1 übt nur diese beiden) | Zeigefinger |
| 5 bis 8 | d und k | Mittelfinger |
| 9 bis 12 | s und l | Ringfinger |
| 13 bis 16 | a und ö | linker und rechter kleiner Finger |
| 17 bis 20 | ä, dazu ö als Wiederholung | rechter kleiner Finger |
| 21 bis 23 | alle Grundtasten | alle |
| 24 bis 26 | Meisterschaft mit Leertaste | alle |
Im nächsten Abschnitt, der Grundreihe, kommen ab Lektion 27 g und h für die Zeigefinger dazu und in den Lektionen 49 bis 52 die Eingabetaste. Das ü folgt am Ende der oberen Reihe in Lektion 92. In Österreich passt das Layout ohne Umstellung. Für Schweizer Tastaturen gibt es keine eigene Ansicht: Die Lektionen verwenden ab Lektion 243 das ß, die Schweizer Tastatur hat dafür keine Taste, und jedes als ss getippte ß zählt als Fehler. Wer in der Schweiz übt, fügt für die ß- und Symbollektionen das deutsche Layout hinzu.
Lektion 1 übt nur f und j; g und h kommen erst ab Lektion 27 dazu.
Warum zuerst Genauigkeit und dann Tempo?
Weil feste Griffe vor Tempo kommen. Die Aalto-Studie zeigt, dass eine eindeutige Zuordnung von Taste und Finger zu den Merkmalen schneller Schreibender gehört. Unsere Schlussfolgerung daraus, kein eigenes Messergebnis: Wer am Anfang hetzt, greift mal mit dem einen, mal mit dem anderen Finger und baut genau diese Eindeutigkeit nicht auf.
Der Leitfaden aus Schwyz beschreibt das Gegenstück: Wer das Zehnfingersystem erst spät lernt, hat häufig schon ineffiziente Gewohnheiten, das sogenannte Adlersystem.
Der Kurs misst zwei Arten von Genauigkeit. Die Genauigkeit vergleicht den fertigen Text. Die echte Genauigkeit zählt jeden Tastendruck: Ein Fehler, den du mit der Rücktaste korrigierst, bleibt darin ein Fehler. Unter 30 Prozent echter Genauigkeit gibt eine Lektion keine Punkte, und für fünf Sterne braucht sie mindestens 85 Prozent Genauigkeit, 20 WPM und 50 Prozent echte Genauigkeit.
Triff jede Taste von der ersten Lektion an mit demselben Finger und steigere das Tempo erst, wenn die echte Genauigkeit nicht mehr sinkt.
Macht ein Kurs überhaupt schneller?
Kaum, zeigt eine große Auswertung. In den Daten von 136 Millionen Anschlägen aus einem frei zugänglichen Online-Test, an dem Freiwillige teilnahmen, waren Menschen mit Tippkurs im Schnitt nur 5 WPM schneller als Menschen ohne. Die Stichprobe hat sich selbst ausgewählt und ist kein deutscher Durchschnitt. Für das Zehnfingersystem spricht also nach unserer Einschätzung, nicht nach dieser Messung, vor allem der feste Griff und der Blick auf dem Text.
Wie baut man einen Übungsplan auf?
Ein Übungsplan sieht am besten jeden Tag gleich aus, damit du nicht überlegst, sondern anfängst. So kann er in der Praxis aussehen:
- Lege eine feste Uhrzeit fest und übe 10 bis 15 Minuten. Das ist ein Erfahrungswert, kein Forschungsergebnis.
- Beginne jede Einheit mit der Wiederholung der letzten Lektion, dann folgt eine neue.
- Geh erst weiter, wenn dein Blick bei der Lektion fast nur noch auf dem Text bleibt und die echte Genauigkeit nicht mehr sinkt.
- Schau bei Unsicherheit auf die Bildschirmtastatur, nicht auf deine Hände. Sie zeigt dir, welche Taste als Nächstes kommt.
- Achte auf das Tempo erst, wenn die Griffe sitzen. Die Stufen im Kurs nennen Zielwerte, etwa 15 WPM bei 85 Prozent Genauigkeit in Stufe 1.
- Hör nach dem Ergebnis einer Lektion auf, nicht mitten in einer Übung. So weißt du am nächsten Tag genau, wo du stehst.
Wenn ein Tag ausfällt, mach am nächsten mit der Wiederholung weiter, statt wieder mit zwei Fingern zu suchen.
Übe jeden Tag zur selben Zeit, beginne mit der Wiederholung der letzten Lektion und hör nach einem Lektionsergebnis auf.
Das Wichtigste auf einen Blick
- In der Grundstellung liegen acht Finger auf a, s, d, f und j, k, l, ö der deutschen QWERTZ-Tastatur, die Daumen auf der Leertaste.
- Lektion 1 übt nur f und j; die Grundtasten umfassen die Lektionen 1 bis 26.
- 3 Merkmale schneller Schreibender fand die Aalto-Studie: fester Finger pro Taste, vorbereiteter nächster Anschlag, wenig Handbewegung.
- 5 WPM betrug der durchschnittliche Vorsprung von Menschen mit Tippkurs in einer Auswertung von 136 Millionen Anschlägen.
- Ein korrigierter Fehler bleibt in der echten Genauigkeit ein Fehler.
- 15 WPM bei 85 Prozent Genauigkeit ist der Zielwert der ersten Stufe im Kurs.
Häufige Fragen
Muss man dabei auf die Tastatur schauen?
Am Anfang schaust du noch ab und zu hin, das ist normal. Ziel ist, dass dein Blick überwiegend auf dem Text bleibt, nicht perfektes Blindschreiben. So sieht es auch eine Schweizer Schulbehörde: Die Umsetzungshilfe des Kantons Basel-Landschaft nennt blinde Beherrschung ausdrücklich nicht als Ziel, sondern flüssiges Schreiben.
Reichen zehn Minuten am Tag?
In den Studien, die wir für diesen Beitrag gelesen haben, steht keine Minutenzahl. Als Erfahrungswert sind 10 bis 15 Minuten täglich ein guter Start, weil du sie leicht durchhältst. Wenn du merkst, dass die echte Genauigkeit am Ende einer Einheit sinkt, hör lieber früher auf.
Hilft eine Tastaturabdeckung?
Eine Studie dazu haben wir nicht ausgewertet. Unsere Überlegung, kein Messergebnis: Eine Abdeckung hindert dich am Hinsehen, macht dir am Anfang aber auch die Orientierung schwerer. Eine Möglichkeit ist, zuerst ohne Abdeckung zu üben und bei Unsicherheit auf die Bildschirmtastatur zu schauen. Greif zur Abdeckung, wenn du trotzdem ständig nach unten schaust.
Kann ich das Zehnfingersystem auf dem Laptop lernen?
Ja, am besten an einem Computer oder Laptop mit echter Tastatur; ein Tablet nur mit angeschlossener Tastatur, ein Handy-Touchscreen wird nicht empfohlen. Die Lektionen folgen dem Windows-Layout „Deutsch“; mit einem Mac fügst du die Eingabequelle „Deutsch“ hinzu und startest wie beschrieben mit Lektion 1. Die Bildschirmtastatur für den Mac ist allerdings noch nicht auf echter Mac-Hardware geprüft.
Wie tippe ich ä, ö, ü und ß?
Auf der deutschen QWERTZ-Tastatur sind ä, ö, ü und ß je ein Tastendruck mit dem rechten kleinen Finger. Im Kurs kommen ö und ä schon bei den Grundtasten, das ü in Lektion 92 und das ß in den Lektionen 243 und 244. Wer statt des Umlauts a und e tippt, macht einen Fehler.
Fazit: Langsam anfangen, sauber bleiben
Unser Fazit für das Zehnfingersystem: Nimm Grundstellung und Genauigkeit ernst und lass das Tempo später kommen. Ein Kurs macht dich nicht über Nacht schneller, aber er gibt dir eine Reihenfolge, in der jeder Finger seine Tasten einzeln übt. Leg die Zeigefinger auf f und j und starte mit Lektion 1 des deutschen Kurses von Meta Typing Club; der Kurs ist für Lernende kostenlos nutzbar.
Keekos Tipp: Leg vor jeder Übung die Finger auf a, s, d, f und j, k, l, ö und tast nach den Markierungen auf f und j. Erst wenn beide Zeigefinger sie spüren, tippst du den ersten Buchstaben.
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