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Wie schnell sollte ein Kind tippen? Was Lehrpläne und Studien sagen

Meta Typing Club8 min read
Wie schnell sollte ein Kind tippen? Was Lehrpläne und Studien sagen

Für das Tipptempo eines Kindes in der Grundschule steht in den Vorgaben, die wir gelesen haben, keine feste Zahl. Die deutschen und österreichischen Texte nennen keine Tastaturfertigkeit; nur zwei Schweizer Kantone beschreiben einen Lernweg, aber auch sie keine Geschwindigkeit. Sinnvoller als eine Zielzahl sind bei Grundschulkindern Genauigkeit und der richtige Finger auf der richtigen Taste. Als Vergleichswert für das Tempo eignet sich aus unserer Sicht die eigene Handschrift des Kindes: eine Faustregel, kein Studienergebnis.

Kurz gesagt: Der Kanton Schwyz vermittelt das Zehnfingersystem ab der 4. Klasse und lässt das Lernprogramm bis zur 6. Klasse durcharbeiten; Basel-Landschaft nennt für die Primarstufe die Grundstellung und 15 Stufen mit 50 Übungseinheiten. Beide Schweizer Texte beschreiben einen Lernweg; die deutschen und österreichischen Texte, die wir gelesen haben, nennen keine Tastaturfertigkeit und keine Zahl. Unser Vorschlag: das Tempo am Bildschirm mit dem Tempo der Handschrift vergleichen und vor allem die Genauigkeit beobachten.

Gibt es in Deutschland eine feste Richtgröße?

Wir haben keine gefunden. Gesucht haben wir in vier Texten: in der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ von 2016, in ihrer Ergänzung „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“ von 2021, im Medienkompetenzrahmen NRW und in der österreichischen Lehrplanverordnung für die Digitale Grundbildung, die für die Sekundarstufe I gilt, nicht für die Volksschule. In keinem dieser Texte kommen die Wörter Tastatur, Zehnfinger oder Textverarbeitung vor (KMK 2016, KMK 2021, Medienkompetenzrahmen NRW, BGBl. II Nr. 267/2022).

Daraus folgt nicht, dass die KMK oder die Länder Tastaturunterricht ablehnen oder verlangen. Die Texte bleiben auf der Ebene allgemeiner Kompetenzen wie Produzieren und Präsentieren. Wenn Ihnen im Netz trotzdem eine Zahl begegnet, fragen Sie zuerst, für wen sie gemessen wurde: für Erwachsene im Büro, für einen Wettbewerb oder für ein bestimmtes Übungsprogramm mit eigenen Zielen.

Weder die KMK noch NRW noch die österreichische Verordnung nennen eine Tippgeschwindigkeit für Kinder; eine Zahl für ein Alter gibt es dort nicht.

Was nennen Lehrpläne und Studien statt eines Tempos?

Konkreter werden zwei Schweizer Kantone, allerdings mit Lernwegen. Der Leitfaden des Kantons Schwyz von 2024 beschreibt, dass Kinder in der 4. Klasse das Tastaturschreiben im Zehnfingersystem lernen und das Lernprogramm bis zur 6. Klasse durcharbeiten (Leitfaden Tastaturschreiben, Schwyz). Die Umsetzungshilfe des Kantons Basel-Landschaft von 2025 nennt als Ziel für die Primarstufe die Grundstellung der Finger und 15 Stufen mit 50 Übungseinheiten. Sie sagt außerdem ausdrücklich: „Eine blinde Beherrschung der Tastatur ist nicht das Ziel; es geht um flüssiges Schreiben“ (Umsetzungshilfe Tastaturschreiben, Basel-Landschaft). Beides sind kantonale Dokumente, keine Texte des Lehrplans 21; für Schulen in Deutschland sind sie eine Orientierung, keine Vorgabe.

Die beiden Studien, die wir dazu gelesen haben, vergleichen Kinder mit ihrer eigenen Handschrift. In einer britischen Stichprobe von 300 Grundschulkindern war die Handschrift in allen Altersstufen schneller als das Tippen; nur eine kleine Minderheit der britischen Jahrgänge 5 und 6 (Kinder von etwa neun bis elf Jahren) tippte schneller, als sie schrieb (Connelly, Gee und Walsh 2007). Diese Kinder hatten kaum Tastaturunterricht. In einer US-Studie mit 40 Kindern der 6. Klasse (in den meisten Bundesländern wäre das schon nach der Grundschule), die vorher einen verpflichtenden Tastaturkurs besucht hatten, lag das Tipptempo im Durchschnitt über dem Schreibtempo (Rogers und Case-Smith 2002). Ob der Kurs den Unterschied erklärt, sagen die Studien nicht.

QuelleFür wenAussage
Leitfaden Schwyz (2024)Primarstufe im Kanton SchwyzZehnfingersystem ab der 4. Klasse, Lernprogramm bis zur 6. Klasse
Umsetzungshilfe Basel-Landschaft (2025)Primarstufe im Kanton Basel-LandschaftGrundstellung und 15 Stufen mit 50 Übungseinheiten
Connelly, Gee und Walsh (2007)300 Grundschulkinder in GroßbritannienHandschrift in allen Altersstufen schneller als Tippen
Rogers und Case-Smith (2002)40 Kinder der 6. Klasse in den USA, mit TastaturkursTippen im Durchschnitt schneller als Handschrift

Schwyz vermittelt das Zehnfingersystem von der 4. bis zur 6. Klasse, Basel-Landschaft zielt auf die Grundstellung und 50 Übungseinheiten: Beide Kantone setzen auf einen Lernweg.

Woran messen Lehrkräfte Fortschritt ohne feste Zielzahl?

An vier Dingen, die man im Klassenraum sehen kann:

  • Genauigkeit: der Anteil der Zeichen, die beim ersten Anschlag stimmen (im Kurs heißt dieser Wert echte Genauigkeit).
  • Rhythmus: gleichmäßige Anschläge statt schneller Stöße mit langen Pausen.
  • Fingereinsatz: Jeder Finger bleibt bei seinen Tasten und kehrt in die Grundstellung zurück.
  • Blick: Die Augen bleiben überwiegend auf dem Text.

Für das Tempo schlagen wir einen Vergleich vor, der ohne Norm auskommt. Das Kind schreibt einen kurzen Text drei Minuten lang mit der Hand ab und danach drei Minuten lang denselben Text am Computer. Zählen Sie in beiden Fällen die Zeichen und teilen Sie durch drei. Unsere Faustregel, kein Studienergebnis: Tippt das Kind beim Abschreiben mindestens so schnell, wie es mit der Hand schreibt, bremst die Tastatur es dabei nicht mehr. Ob das auch für frei verfasste Texte gilt, haben wir nicht geprüft. Der Vorteil dieser Schwelle: Sie passt zum einzelnen Kind und nicht zu einer Tabelle. Zu Hause funktioniert derselbe Vergleich: Eltern stoppen die drei Minuten mit dem Handy und zählen die Zeichen gemeinsam mit dem Kind.

Und wenn Eltern trotzdem nach einer Zahl fragen? Dann nennen Sie die Zielwerte eines Kurses und sagen dazu, dass es Kursziele sind. Der deutsche Kurs von Meta Typing Club nennt solche Werte in seinen Stufen, etwa 15 WPM bei 85 % Genauigkeit in Stufe 1. Das ist ein Ziel des Kurses, keine Norm für ein Alter. Während der Lektion sieht das Kind außerdem seine echte Genauigkeit: Sie zählt jeden Tastendruck, ein korrigierter Fehler bleibt darin ein Fehler. Einen ersten Vergleichswert liefert zum Beispiel Lektion 23, in der alle Grundtasten zusammen vorkommen.

Vergleichen Sie jedes Kind mit sich selbst: drei Minuten Handschrift, drei Minuten Tastatur, Zeichen pro Minute gegen Zeichen pro Minute.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Schwyz: Zehnfingersystem ab der 4. Klasse, Lernprogramm bis zur 6. Klasse (Leitfaden 2024).
  • Basel-Landschaft: Grundstellung und 15 Stufen mit 50 Übungseinheiten (2025).
  • In der britischen Studie mit 300 Grundschulkindern war die Handschrift in allen Altersstufen schneller als das Tippen (2007).
  • 40 Kinder der 6. Klasse mit Tastaturkurs tippten im Durchschnitt schneller, als sie schrieben (USA, 2002).
  • 1 Wort entspricht 5 Zeichen: 40 WPM sind rund 200 Zeichen pro Minute.
  • Stufe 1 im deutschen Kurs von Meta Typing Club nennt 15 WPM bei 85 % Genauigkeit als Kursziel, keine Altersnorm.

Häufige Fragen

Wie rechnet man Anschläge in Wörter um?

Mit der üblichen Festlegung, dass ein Wort fünf Zeichen hat: Zeichen pro Minute geteilt durch fünf ergibt WPM, also Wörter pro Minute. 40 WPM entsprechen damit rund 200 Zeichen pro Minute. Meta Typing Club misst in WPM.

Ist Genauigkeit wichtiger als Tempo?

Am Anfang ja, so sehen wir es. Ein Kind, das genau tippt, kann sein Tempo später steigern; ein Kind, das schnell und ungenau tippt, übt seine Fehler mit. Prüfen lässt sich das an der echten Genauigkeit, die jeden Tastendruck zählt. Zum Verhältnis von Genauigkeit und Tempo sagen die beiden Kantonsdokumente nichts.

Wann ist ein Kind schnell genug für die Schule?

Unsere Antwort, eine Faustregel: wenn es beim Abschreiben am Bildschirm mindestens so schnell ist wie mit der Hand. Dann bremst das Tippen zumindest beim Abschreiben nicht mehr; für frei verfasste Aufsätze haben wir das nicht geprüft. In der britischen Studie von 2007 erreichte nur eine kleine Minderheit der Jahrgänge 5 und 6 diese Schwelle; in der US-Stichprobe mit Tastaturkurs lag der Durchschnitt darüber.

Kann man Werte von Erwachsenen auf Kinder übertragen?

Nur sehr vorsichtig. Eine große Auswertung von 136 Millionen Tastenanschlägen kam auf durchschnittlich 51,56 WPM, gemessen bei 168.960 Freiwilligen, die online einen Test gewählt hatten: eine Gruppe gemischten Alters, keine Kinderstichprobe und keine deutsche (Dhakal und andere 2018). Für ein Kind in Klasse 4 taugt dieser Wert nicht als Maßstab.

Wie oft sollte man das Tempo messen?

Unser Vorschlag: zweimal pro Halbjahr, jedes Mal mit demselben kurzen Text, damit die Werte vergleichbar bleiben. Dazwischen reicht der Blick auf Genauigkeit und Fingereinsatz in den normalen Übungsstunden. Wer jede Woche misst, lenkt die Aufmerksamkeit leicht auf die Zahl statt auf saubere Anschläge.

Was heißt das für Ihre Klasse?

Messen Sie Kinder an sich selbst und nicht an einer Tabelle: Genauigkeit zuerst, dann der Vergleich mit der Handschrift, zweimal im Halbjahr mit demselben Text. Wie Sie die Grundstellung in einer ersten Stunde aufbauen, zeigt Die erste Tastaturstunde: 45 Minuten mit Grundstellung, f und j. Was die Forschung über Tippen und Schreiben insgesamt sagt, fasst Tastaturschreiben in der Schule: Was die Forschung wirklich belegt zusammen. Beginnen Sie mit einem einzigen Vergleich in Ihrer Klasse und notieren Sie die Werte, bevor Sie über Ziele sprechen.

Keekos Tipp: Notieren Sie das Ergebnis des Vergleichs mit Datum auf einer Karteikarte. Beim nächsten Vergleich mit demselben Text sieht das Kind seinen eigenen Fortschritt schwarz auf weiß.
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